Geschrieben von:  Lars Molzberger

Um was geht es?  War die ITF auf Russische Breitspur umgespurt?

Was sagt das Beitragseinleitungsfoto aus?   Das Symbolfoto vom Fährhafen Mukran veranschaulicht ein Breitspurgleis. Foto vom 4. Juli 2016


In Foren-Diskussionen wird zuweilen die Frage gestellt, ob die ITF für Reparationsleistungen an die Sowjetunion auf 1520 mm Spurweite  umgepurt war oder nicht.

Bernd Kuhlmann beschreibt in seinem Buch[1], dass je nach verwendeter Umspurtechnik eine Tagesleistung von 15 km umgepurter Strecke möglich war, nicht selten auch mehr. Die ITF hatte eine Länge von knapp 30 km. Damit wäre es möglich gewesen, die Strecke innerhalb einiger Tage komplett umzuspuren.

Laut dem o.a. Buch weist eine Betriebsstreckenkarte vom 7. Juli 1945[2] den breitspurigen Betrieb von Friedrichsfelde bis nach Blankenburg aus. Eine andere Betriebsstreckenkarte, die vom 10. August 1945 datiert ist, vermerkt die Umspurung von Blankenburg bis Tegel Hafen, aber ohne Betriebsdurchführung. Das ist naheliegend, weil der Streckenabschnitt ab dem 12. August 1945 zum französischen Sektor gehörte und es sehr wahrscheinlich ist, dass die Franzosen weitere Demontagen und die Abfuhr des Reparationsgutes über Tegel Hafen untersagten.

Belegt ist aber  der Breitspurbetrieb auf dem Güterbahnhof Weißensee. Dort bestätigen Zeitzeugen den Einsatz von Breitspurlokomotiven. Wann die Gleise wieder auf Regelspur zurückgespurt wurden, lässt sich zur Zeit nicht belegen.

Mit heutigem Kenntnisstand lässt sich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass ein Breitspurbetrieb auf einer Teilstrecke der ITF bis Weißensee als gesichert angenommen werden kann.

Ein weiterer Hinweis auf den Breitspurbetrieb stammt von Herrn Kurt Groß. Kurt Groß war Eisenbahner der Niederbarnimer Eisenbahn und gab dem Tagespiegel[3] aus Anlass seines 100. Geburtstags ein Interview. Laut Herrn Groß war die die ITF auf Breitspur umgenagelt, damit die Sowjets die Reparationsgüter in die Sowjetunion verschaffen konnte. Er erwähnt leider nicht, wie weit die ITF umgepurt war.

 Woher stammt das Wissen?

 1. Kuhlmann, Bernd: Russische Züge auf deutschen Schienen 1945 bis 1994, Verlag GVE 2002, Seite 44

 2. Ebenda, Seite 44

 3. „Wenn du aus Berlin weg willst, fang rechtzeitig damit an",  Tagesspiegel vom 22. April 2020 , Seite 10

 

 

 

Update 3. Mai 2020